Keine Umtauschpläne!

Der polnische Freund sitzt mir wie so viele Abende zuvor am Tisch gegenüber, in den Händen den Becher mit heißem Kaffee, und erzählt aus seinem erlebnisreichen Leben. Lebendig berichtet er, wie er als junger Mann zum ersten Mal seine Familie zurück ließ und der Arbeit halber ins Ausland ging: In der Hand einen Koffer mit dem Allernotwendigsten, ein Lunchpaket für den Abend und eine Fahrkarte, einfache Fahrt. Wenig Geld.

Seine klare Idee mit seinen zwanzig und ein paar Jahren war, in der Fremde Geld zu verdienen. Die Idee war, dort zu bleiben und zu arbeiten. Aber was, wenn es ihm nicht gefiele? Säße er dann nicht womöglich schneller wieder im nächsten Zug Richtung Heimat als er geplant hatte? Mit weniger Mitteln in der Tasche als auf der Hinreise?

Nein, keine Umtauschpläne! Darum die einfache Fahrt statt einer Rückfahrkarte, darum das wenige Geld, das ihn dazu zwang, zumindest eine Zeit lang im fremden Land zu bleiben und sich die Heimfahrt zu verdienen.

Wie ist es mit uns, wo machen wir überall Umtauschpläne? Wo helfen uns diese Pläne, ein Risiko abzufedern? Wo dienen sie dazu, flexibel für unerwartete Entwicklungen zu bleiben? Und wo stehen uns die Pläne B, C, D und folgende entschieden im Weg, wenn es darum geht, unsere Energie ohne angezogene Handbremse in das Vorhaben zu stecken, das gerade unsere Idee, unser Ziel ist? Eine Überprüfung lohnt!

 

 

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