Zeitmanagement im Medienzeitalter

Die Schule beginnt, und auch für viele Erwachsene geht es nach dem Familienurlaub wieder zurück in den Berufsalltag. Vater und Sohn packen am Tag zuvor gemeinsam ihre Taschen, und der Vater nutzt die Gelegenheit, seinem Nachwuchs ein paar wohlgemeinte Tipps für den gelingenden Start ins neue Schuljahr mit auf den Weg zu geben.

Insbesondere geht es darum, dem medienaffinen, ständig zwischen Handy, Computer, Facebook und Dauerbeschallung aus diversen Musikabspielgeräten pendelndem Sohnemann nahezulegen, für die Zeit des Lernens derartige Störquellen auszuschalten. Wortreich erläutert der Vater, wie sehr jede im gefühlten Fünf-Minuten-Takt eingehende Nachricht die aktuellen Gedankengänge zerreißt. Wie unmöglich es ist, wenn man die Aufmerksamkeit wieder dem Arbeitsstoff zuwendet, wirklich wieder dort anzusetzen, wo man zuvor unterbrochen wurde. Wie unnötig stark sich die zu erledigenden Aufgaben dadurch in die Länge ziehen.

Der lehrreiche elterliche Vortrag endet mit dem dringenden Rat, die medialen Störquellen auszuschalten, die volle Konzentration auf das Lernen zu verwenden und tapfer die Ungewissheit auszuhalten, welcher Sack Reis wohl in der Zwischenzeit in China umgefallen sein mag.

Nach der kurzen Rede nickt nicht nur der Sohn zustimmend, sondern auch die aufmerksam zuhörende Ehefrau. Dabei hält sie ihren Gatten fest im Blick.

Auch im Berufsalltag neigen wir dazu, jeden Anruf anzunehmen, jede SMS und jede eingehende Mail unreflektiert sofort zu lesen – und womöglich noch zu beantworten. Die Medien, die uns umgeben, sind schneller geworden, und an vielen Stellen profitieren wir von der zeitnahen, unkomplizierten Möglichkeit, zu kommunizieren.

Wir sollten die Medien beherrschen – nicht die Medien uns!
Aber in der Flut an hereinbrechenden Informationen schwimmt nicht nur Wertvolles daher. Vieles ist Treibgut ohne Belang. Oder zumindest von geringerem Belang als die Dinge, mit deren Erledigung wir eigentlich gerade befasst sind. Diesem Treibgut den Vorrang zu geben, nur weil er auf elektronischem Wege daher kommt, heißt, sich von den Medien überrollen zu lassen statt sie sich als gezielt eingesetztes Kommunikationswerkzeug zu Diensten zu machen. Es heißt, darauf zu verzichten, selber die Prioritäten festzulegen: Was ist gerade wichtig, was ist eilig?

Es bedarf also einer sinnvollen Selektion, eine Art von Schleuse, wenn man so will, wenn wir nicht von der Informationsflut überrannt werden wollen. Wir müssen Herr im Haus bleiben und im Zweifel den Mut haben, die Schotten auch mal dicht zu machen: Jetzt kein Einlass!

 Und so geht’s:

  • Verschaffen Sie sich einen Überblick über die zu erledigenden Aufgaben und sortieren Sie sie nach ihrer Priorität: Was ist wichtig? Was ist eilig?
  • Planen Sie in Ihrem Tagesablauf störungsfreie Zeiten für die Erledigung der wichtigsten Aufgaben ein. Besonders solche Tätigkeiten, die Ihre Konzentration erfordern, sollten Sie vor Unterbrechungen schützen.
  • Nehmen Sie konsequent während dieser Zeit keine Telefonate an und checken Sie keine Mails.
  • Nutzen Sie die technischen Möglichkeiten für sich: Wenn Sie etwa für bestimmte Personengruppen (Familie, Bereitschaftsdienst, Chef) erreichbar bleiben wollen, bieten die meisten Smartphones die Möglichkeit, über einen speziellen Klingelton deutlich zu machen, dass gerade ein Anruf kommt, den Sie besser annehmen. Alle anderen ignorieren Sie vorerst und rufen später zurück.
  • Stellen Sie Ihr Mailprogramm während der konzentrierten Arbeitsphasen aus – oder alternativ so ein, dass es nicht mehr alle zehn Minuten, sondern nur noch auf Ihre Anforderung hin die Mails abruft. So kommen Sie nicht durch das Geräusch der im Posteingang eintreffenden Nachrichten in die Verlegenheit, unruhig auf ihrem Stuhl herum zu rutschen und schließlich doch nachzusehen, wer geschrieben hat.
  • Überprüfen Sie gelegentlich, ob sich Ihre selbst gewählten Prioritäten noch mit Ihrem tatsächlichen Arbeitsverhalten im Einklang befinden. Im Zweifel justieren Sie nach.
Nur Mut!

 

 

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